Der Herbst lädt uns ein, loszulassen und den Boden für Neues zu bereiten

Sobald die Blätter von den Bäumen fallen und sich die Natur in das schützende Erdreich zurückzieht, wenden auch wir Menschen uns mehr nach innen – in unsere warmen Stuben, zu ruhigeren Aktivitäten und oft werden wir auch etwas nachdenklicher. Die Natur beschenkt uns mit diesem Rückzug, der uns dazu einlädt, uns wieder mehr in uns selbst zurückzuziehen. Wir dürfen leiser werden und in unseren inneren Kern eintauchen, wo es still und heimelig ist, wo wir mit unserem eigenen Sein verbunden sind.

Hier dürfen wir zur Ruhe kommen, hier dürfen wir ganz wir selbst sein und müssen keine äußere Rolle mehr spielen. In unserer Mitte können wir wieder die Anbindung an uns selbst und das Leben insgesamt spüren. Daraus schöpfen wir Kraft und damit kommt auch viel Vertrauen zurück.

Das Leben erinnert uns im Außen jedes Jahr aufs Neue an den Prozess des Werdens und Vergehens, an die Tatsache, dass sich alles stets in Veränderung befindet. Wir können überall draußen beobachten, wie sich das Leben zurückzieht, um Kraft für das kommende Jahr zu schöpfen. In diesen Fluss des Lebens dürfen wir uns zu jeder Zeit einklinken, aber gerade der Wechsel der Jahreszeiten hat eine besondere Qualität, die wir für uns nutzen können – um innezuhalten, zu reflektieren und unseren Weg zu justieren.  

In einem ruhigen Moment Ende Oktober des Jahres 2020 kamen mir folgende Worte in den Sinn:

Loslassen ist befreiend.

Loslassen ist die Basis für etwas Neues.

Loslassen ist heilend.

Das brachte mich damals dazu, mir dieses Thema ein wenig eingehender anzuschauen. Und hier teile ich meine Gedanken mit dir.

Ebenen des Loslassens

Ich empfinde das Loslassen auf verschiedensten Ebenen wohltuend. Und ich bin immer noch kräftig am Lernen, wo ich es überall anwenden kann 😉.

Da gibt es zum einen das Loslassen von Vergangenem, zum Beispiel einem alten Kapitel im Leben. Vielleicht wünsche ich mir in irgendeinem Bereich meines Lebens eine Veränderung, einen Austritt aus vertrauten Bahnen, hinderlichen Gewohnheiten.

Zum anderen sehe ich das Loslassen als ein Aussteigen aus einem Gedankenkarussell, in dem ich mich aufgrund einer aktuellen Situation drehe und wo ich keinen Ausweg – also auch keine Lösung, keinen nächsten Schritt – finde und mich deshalb gestresst fühle.

Loslassen kann sich auf etwas Materielles beziehen, indem ich mich bewusst von Gegenständen verabschiede, die nicht mehr zu meinem derzeitigen Leben passen. Oder eingeschliffene Denkmuster und Glaubenssätze betreffen, die mich in meiner Weiterentwicklung behindern.

Sicher hast du schon einmal erlebt, wie deine Gedanken wieder und wieder um eine Sache kreisen, die in der Vergangenheit liegt. Wie dir unschöne Situationen in den Sinn kommen und du grübelst darüber nach, wie du hättest anders reagieren sollen. Oder du ärgerst dich über etwas, was dir gerade passiert und schimpfst innerlich: Das hätte nicht geschehen dürfen! Vielleicht machst du dir Sorgen über ein geplantes Projekt und deine ängstlichen Gedanken bauen sich wie eine Wand vor dir auf.

In unserem Alltag hängen wir viel zu oft mit unseren Gedanken im Gestern und Morgen fest. Dieses Kopfzerbrechen bringt uns jedoch keinen Schritt weiter. Wir können nicht ändern, was bereits passiert ist und wir können auch nicht an etwas arbeiten, das noch gar nicht eingetreten ist. An Vergangenem oder Künftigem festzuhängen, blockiert deine Energie. Deine Gedanken drehen sich um Dinge, die du nicht mehr oder noch nicht ändern kannst und diese Energie fehlt dir im Hier und Jetzt.

Altes in Dankbarkeit loslassen

Loslassen bedeutet für mich in erster Linie, etwas so sein zu lassen, wie es ist. Zu akzeptieren, dass es da ist. Sei es ein Erlebnis, ein Gedanke, eine Emotion. Und im Vertrauen zu sein, dass alles genau so ist, wie es sein soll, dass es einen wichtigen Grund gibt, warum ich dieses oder jenes erlebe beziehungsweise erlebt habe. Loslassen heißt, Vertrauen zu fassen in mich selbst und in das Leben, mich ihm und dem Lauf der Dinge hinzugeben.

Loslassen bedeutet, Frieden zu schließen mit Situationen und Menschen, Dinge in Frieden gehen zu lassen, mit Wertschätzung für das, was wir daraus lernen durften.

Wenn ich bemerke, dass mich ein Gedanke, eine Situation, ein Geschehen oder das Verhalten eines anderen Menschen aufwühlt oder ich anfange, mich darüber zu ärgern, dann sage ich innerlich: „Halt ´mal an!“ Ich beobachte zunächst, was in mir los ist. Was rumort da? Was kann ich in meinem Körper wahrnehmen? Welche Gedanken und Gefühle kommen auf? Gibt es dafür einen realistischen Grund?

Schon allein das bewusste Wahrnehmen meiner Empfindungen kann sofort meinen Stress reduzieren und mich zur Entspannung führen. Denn das neugierige Beobachten des eigenen Erlebens unterbricht das andauernde Grübeln.

Wenn ich achtsam genug bin, fällt mir dann auch oftmals auf, dass sich ein altbekanntes Denkmuster von mir eingeschaltet hat, mit dem ich die Situation bewerte. Eines, was mich vielleicht schon länger stört und das ich nicht mehr in meinem Leben haben will. Und schon habe ich die Chance, mich gegen dieses Muster zu entscheiden. Ich darf es anschauen und richtig wahrnehmen. Ich kann mich fragen, was ich davon habe, dieses Muster auszuleben. Ich kann mir vergegenwärtigen, wie vergangene Situationen ausgegangen sind, wenn ich dieses Muster weiterverfolgt habe und mir die Frage stellen: Was darf ich aus dieser Situation lernen? Und ich kann mir vorstellen, was mir stattdessen guttun würde, und das alte Muster loslassen. Genauso, wie ich mit meinem Urteil, meinem negativen Denken meinen Beitrag zu einer Situation leiste, kann ich sie mit einer anderen Denkhaltung in eine gewünschte Richtung lenken. Ich habe es in der Hand, mich bewusst anders zu verhalten.

Die beginnende dunkle Jahreszeit kannst du aber auch – unabhängig von den alltäglichen Begebenheiten, die uns zum Loslassen einladen – ganz bewusst für eine Innenkehr nutzen. Vielleicht nimmst du dir einmal Zeit, auf dein Leben zu schauen und in dich hineinzuspüren. Gibt es da etwas, was du in deinem Leben loslassen möchtest? Oftmals schleppen wir Sachen mit uns herum, die noch nicht wirklich abgeschlossen sind, die noch offene Stellen in uns hinterlassen haben. Frage dich einmal selbst: Was belastet dich? Was liegt dir auf dem Herzen? Möglicherweise sind es Dinge, die dich bereits jahrelang beschäftigen. So lange wir diese offenen Schleifen nicht bewusst vollenden und Frieden damit schließen, ja vergeben, schaden wir uns selbst.

Frage dich zuerst, ob du schon anerkannt hast, was du bisher gelebt hast. Hast du schon angenommen und gewürdigt was war und was jetzt ist? Loslassen geschieht durch Annahme. Du akzeptierst, dass es da ist, ohne Wertung, ob es gut oder schlecht ist. Erst dann, wenn du die Dinge in deinem Leben – deine Erfahrungen – mit dem ganzen Herzen wahrnimmst, sie anerkennst und Wert schätzt, kannst du sie loslassen. Denn alles, was du erlebt hast, war ein wichtiger Teil deines Lebens. In dieses Bild fügt sich ebenso die Tatsache, dass der Herbst Erntezeit ist. Wir dürfen auf unsere vergangenen Monate zurückblicken, dankbar für das Erlebte sein und die Früchte unserer Erkenntnis ernten.

Wenn du etwas „nur“ weghaben willst, ohne es dankbar wahrzunehmen und dadurch anzunehmen, erzeugst du einen Widerstand dagegen und verstrickst dich darin. Erst wenn du in den Frieden gehst, mit dem was war, kannst du deine Vergangenheit loslassen beziehungsweise die Sache lässt dich los.

Die Natur macht es uns vor

Im Herbst verabschiedet sich die Natur mit gelassener Selbstverständlichkeit von Vergangenem, um Platz für Neues zu schaffen. Die Bäume und Sträucher werfen ihre welken Blätter ab – voller Zuversicht und Vertrauen, dass im Frühjahr wieder frisches Grün erscheint. Lass dich von der Natur und ihrem steten Wandel inspirieren und überlege dir, von welchen überflüssigen Dingen, unguten Gewohnheiten, veralteten Glaubensmustern und überholten Verhaltensweisen du dich befreien und durch Neues ersetzen kannst. Überlege dir dabei auch, welche Erfahrungen waren für dich hilfreich? Lasse die alten Themen in Dankbarkeit gehen und mache dir bewusst, dass du dich ohne sie nicht dorthin entwickelt hättest, wo du jetzt bist.

Heiße die ständige Veränderung im Außen und in deinem Inneren – auch den deiner Gedanken und Gefühle – neugierig und liebevoll willkommen, sieh‘ sie als eine immerwährende Möglichkeit für dich, zu wachsen, dich zu entfalten. So lebst du leichter und deiner Natur gemäß.

Albert Einstein hat es auf den Punkt gebracht: “Schaue in die Natur und du wirst alles besser verstehen.”

Erlaube dir, zu träumen

Mit dem Loslassen hört es also nicht auf. Nachdem du erst einmal Altes, was dir nicht mehr dienlich ist, losgelassen hast, bist du frei für das Kommende, hast dich innerlich für das Neue geöffnet.

Das Zauberhafte am Sterbeprozess in der Natur ist, dass er gleichzeitig das Versprechen auf neues Leben, auf Wachstum in sich trägt. Und genau so dürfen auch wir mit dem Abschied vom Vergangenen auf das blicken, was wir künftig in unserem Leben haben wollen. Frage dich also: Was soll in dir erblühen? Welche Samen säst du aus? Spüre, was in dir liegt und demnächst aus dir heraustreten will.

So wie die Natur ihre Lebenskraft in das Dunkle, Verborgene zurückzieht, um sie für einen kraftvollen Start im Frühjahr zu nähren, kannst du dich während der Winterzeit damit beschäftigen, was dich in deiner Kreativität stärkt, mit der du im neuen Jahr starten willst.

„In der Stille und Gelassenheit manifestiere ich meine Visionswünsche und verwirkliche sie.“ (Kurt Tepperwein)

Erlaube dir dabei, zu träumen! Male dir deine Traumzukunft aus – auf persönlicher Ebene und auch bezogen auf das große Ganze. Aus den Träumen weben wir das Neue! Der Weg hin zu dem Traum ist dabei vielleicht sogar noch wichtiger, als die Realisierung des Traums. Weil dir dieser Weg Freude bereitet.

Überlege dir: Was brauchst du wirklich, was tut dir gut? Erinnere dich daran. Stelle es dir bildlich vor und spüre hinein, was das mit dir macht. Wie fühlt sich diese Vorstellung an? Schreibe es auf, male dir Bilder dazu, zeichne eine Mind Map, gestalte eine Collage – je nachdem, was dir am besten entspricht. Kreiere dein persönliches Vision Board!

Und nun bringe es Stück für Stück in deinen Alltag. Beginne mit den kleinen Dingen und hauche ihnen Leben ein. Folge der Freude, dann gewinnst du auch immer mehr Selbstvertrauen in dem, was du tust und traust dich, noch bunter zu träumen 😉!

„Um so mehr du kleine Träume lebst, um so weiter wird dein Feld für große Träume!“ (Seom)

Du wirst dir Träume erlauben, die sich allmählich in alle deine Lebensbereiche erstrecken und du gehst unweigerlich weiter in Richtung dieser Träume. Irgendwann erkennst du rückblickend, wie viel von dem, was du dir gedanklich in allen Details ausgemalt hast, bereits Wirklichkeit geworden ist. Und du begreifst, wie wirksam träumen ist.

Vergiss also nicht, nach dem Träumen in die Handlung zu gehen und deine konkreten Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Bringe es in die Welt!

Achte auf deinen Fokus

Schaue dabei immer dorthin, wo du hinwillst. Wie willst du dich fühlen? Gibt es Themen oder Bereiche, wo du gedanklich und emotional noch zu sehr festhängst? Wohin willst du stattdessen lieber schauen?

Dir das bewusst zu machen ist wichtig, denn dorthin, worauf wir unsere Aufmerksamkeit ausrichten, fließt auch unsere Energie. Indem wir uns unsere Wirklichkeit vorstellen, erschaffen wir diese. Deshalb ist es von Bedeutung, dass wir unseren Fokus ganz bewusst auf positive Erwartungen setzen und in Vorfreude leben.

Die äußeren Umstände reagieren auf deine Frequenz. Das ist das Gesetz der Resonanz: Wir haben die Macht, all das anzuziehen, was wir in unserem Leben haben wollen, was wir sein wollen.

Mache dir dabei auch klar: Herausfordernde Situationen geben dir die Chance, genauer hinzuschauen, ob eine Richtungsänderung vorzunehmen ist. Überlege dir dabei stets, wer du wirklich sein willst.

Vertraue darauf, dass du diesen neuen Weg gehen kannst. Es muss keine große Wandlung auf einen Schlag sein. Es sind viele kleine, bewusste Entscheidungen an jedem Tag. Der Weg entsteht von ganz allein mit einem winzigen Schritt nach dem anderen, in die Richtung, wo du hinwillst.

Aristoteles sagte: „Handeln geht der Fähigkeit zu handeln voraus.“

Halte dir stets vor Augen: Die Veränderung kommt von innen. Und nur wenn du im Inneren ruhst, kannst du etwas bewegen. Wir alle haben die Kraft und die Fähigkeit, mit dem Neuen, was in unser Leben kommt, umzugehen und uns auch in unserem Inneren entsprechend zu ändern. Selbst wenn du nicht wissen kannst, wie es letztlich genau kommen wird. Lass dich davon im positiven Sinne überraschen! Genauso, wie wir in jedem Frühling die erste unerwartete Blüte bewundern! Wir wissen nie, an welcher Stelle und in welcher Form sich das erneute Erwachen der Natur zeigen wird. Aber wir freuen uns darauf, weil wir sicher sind, dass es kommen wird und malen es uns gedanklich oftmals schon während des ausklingenden Winters aus.

Wenn du diese freudige Erwartungshaltung einnimmst, wirst du ganz sicher erstaunt sein, wie stimmig und schön es sich fügen wird.

Vielleicht magst auch du dich in dieser Jahreszeit mit innerer Einkehr, dem Loslassen und dem Träumen beschenken?

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