In den vergangenen Monaten zeigte sich mir ein ganz bestimmtes Thema immer stärker, obwohl ich dachte, ich hätte es bereits ausreichend angeschaut und „bearbeitet“. Es ist ein Thema, das vielleicht sogar polarisiert, weil es – wenn man es nicht sorgfältig und behutsam betrachtet – mit negativen Eigenschaften verknüpft werden könnte. Es geht um Selbstliebe.
Eins vorweg: Selbstliebe hat meiner Meinung nach nichts mit Egoismus zu tun!
Für mich persönlich bedeutet Selbstliebe, liebevoll und bewusst auf mich selbst zu blicken, mich achtsam um meine Bedürfnisse zu kümmern und auf die leise Stimme in meinem Inneren zu hören, die mir die richtigen Schritte auf meinem Weg zeigt. Meine Erfahrungen im Umgang mit mir selbst haben mir unmissverständlich gezeigt, dass ich wesentlich mehr geben kann, wenn ich zunächst einmal gut für mich selbst sorge. Nicht zuletzt bin ich dann auch ein viel angenehmerer Zeitgenosse – das spürt vor allem meine Familie 😉.
Mit Selbstliebe verbinde ich auch, nichts von mir zu erwarten im Sinne des „Funktionierens“. Daraus folgt wiederum, dass ich keine Erwartungen an andere habe, wie sie zu sein haben. So können wir uns auf einer ganz anderen Ebene begegnen: Es ist alles okay, wie es ist und plötzlich wird das Leben leicht.
Genau das entglitt mir in der vergangenen Zeit ein wenig. Unter anderem merkte ich das – retrospektiv betrachtet – daran, dass ich unsicher wurde, wie ich mich in bestimmten Situationen verhalten sollte und was mein nächster stimmiger Schritt ist. Meine Energie nahm stetig ab und ich fühlte mich in manchen Momenten von den gleichzeitig anstehenden Aufgaben überrollt. War ich noch auf meinem Weg? Kann ich meine Herzensvision überhaupt ins Leben rufen? Vertraue ich mir selbst, das zu schaffen?
In einer Meditation am vorletzten Sonntagabend, draußen in der Natur, erkannte ich, dass die Selbstliebe der Schlüssel zur Antwort ist. Ich darf mir wieder mehr Selbstliebe und Selbstfürsorge schenken und dadurch mein Herz weiter öffnen. Indem ich noch genauer auf mein Herz höre und es für mich und meinen Weg öffne, entfaltet sich meine Intuition. Sobald ich immer deutlicher intuitiv wahrnehme, was für mich stimmig ist, werde ich in meinen Entscheidungen sicherer, sehe meine nächsten Schritte klarer und entfalte mein Selbstbewusstsein. Das lässt mich schließlich mutiger handeln.
Diese Erkenntnis empfand ich als sehr spannend: Selbstliebe hängt also offenbar mit Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zusammen. Zumindest für mich 😉.
Das ist mein Bild von diesem großen Thema und ich bin noch mittendrin, es in mein Leben zu bringen…
Hier sind meine Gedanken dazu für dich:
Der spannende Weg zu dir selbst und deinen Fähigkeiten
Wir alle tragen alles, was wir für ein erfülltes Leben brauchen, in uns. In jedem von uns schlummern ganz individuelle, großartige Potenziale, die zum Ausdruck kommen wollen. Doch während wir aufwuchsen, haben wir gelernt, uns an die Erwartungen von außen anzupassen und entfernten uns so Stück für Stück von uns selbst. Anerkennung und auch Liebe suchen wir im Außen, bei anderen Menschen – durch unsere Leistungen, durch das, was wir tun. Wir halten Ausschau nach Vorbildern, folgen fremden Bahnen.
Aber erfüllt uns das umfänglich und auf Dauer? Unterstützt es uns auf unserem Weg?
Die meisten von uns haben vergessen, sich mit dem Menschen anzufreunden, mit dem sie die längste Zeit ihres Lebens verbringen und der ihnen tagtäglich morgens aus dem Spiegel entgegenblickt: mit sich selbst.
Was hältst du davon, dir ab jetzt mehr Aufmerksamkeit zu schenken? „JA“ zu dir selbst zu sagen – auch zu deinen Seiten und Stimmungen, die du nicht so sehr magst? Versuche einmal, dich mit den liebevollen Augen einer Mutter zu betrachten und wahrzunehmen, welche wunderbaren Qualitäten du besitzt. Erkennst du, dass du bereits genug Schönes in dir trägst, was du wertschätzen kannst? Versuche auch einmal, nachsichtig mit dir umzugehen, wenn etwas nicht so geklappt hat, wie du es geplant hattest. Mache dir bewusst, dass du nichts falsch machen kannst, sondern dass alles, was du erlebst dazu da ist, Erfahrungen zu sammeln und zu lernen.
Je liebevoller du mit Dir selbst umgehst, desto mehr kommst Du in Deine Kraft. Du fühlst Frieden und Leichtigkeit in Dir. Und das strahlt aus.
Dieser Richtungswechsel – von außen nach innen – ist für uns, die wir bislang völlig anders konditioniert wurden – zunächst nicht leicht. Deshalb gehe am besten in kleinen Schritten, in deinem eigenen Rhythmus und Tempo. Nachfolgend findest du ein paar Anregungen dazu.
Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen, ehrlich sein und Grenzen setzen
Lerne wieder, dich selbst zu fühlen. Beobachte die Emotionen, die in bestimmten Situationen in dir aufsteigen und gib darauf Acht, was du in deinem Körper spürst. Erlaube dir, deine Gefühle zu fühlen. Verdränge sie nicht, schäme dich nicht dafür, kritisiere dich nicht dafür – auch wenn sie nicht angenehm sind. Nimm sie einfach wahr, ohne sie zu beurteilen, sonst wirst du dir auf Dauer selbst fremd.
Viel zu oft sind wir nicht ehrlich zu uns selbst. Wir missachten unsere eigenen Bedürfnisse und unsere Grenzen. Wir orientieren uns eher an den Bedürfnissen und Erwartungen anderer, schließen faule Kompromisse, geben Versprechen, die wir nicht halten können oder übernehmen die Verantwortung, wo es nicht unsere Aufgabe ist.
Wenn du dich selbst aufopferst, dich nicht um dich kümmerst, kannst du auch nicht wirklich etwas geben.
Nimm deine Bedürfnisse wahr und werde ihnen gerecht. Wenn du gut für dich sorgst und dich genährt fühlst, kannst du aus einer inneren Freude heraus geben, bist ohne Anstrengung großzügiger – im Denken und im Handeln. Und das wiederum lässt bei den anderen Menschen viel mehr ankommen.
Lerne, „Nein“ zu sagen. Sag‘ nur „Ja“, wenn du es wirklich möchtest. So wirst du authentischer. Damit schaffst du auch Klarheit gegenüber deinen Mitmenschen und euer Umgang kann sich viel entspannter gestalten – weil jeder weiß, woran er ist.
Warum tue ich, was ich tue?
Wenn du etwas machst, weil du die Anerkennung anderer suchst, etwas beweisen willst oder von anderen gemocht werden willst für das, was du tust, zeigt das: Du magst dich selbst nicht. Du weißt nicht wirklich, wer du bist. Damit setzt du dir selbst sehr enge Grenzen, schöpfst nicht dein volles Potenzial aus und schadest letztlich dir und deinem Umfeld.
Nimm dich selbst positiv wahr und wertschätze dich. Schaue auf das, was du bisher alles schon erreicht hast. Lasse jeden Abend Revue passieren, welche guten Momente du tagsüber erlebt hast. Halte dich nicht damit auf, nur auf das zu schauen, was weniger gut lief. Freue dich stattdessen, dass du dadurch etwas lernen konntest. Mache nicht eine schöne Sache schlecht, indem du den kleinen Patzer überhöhst, der dir dabei unterlaufen ist. Gib dir selbst Anerkennung dafür, was du tust. Ja, lobe dich auch!
Das ist die Basis für deinen Umgang mit dir selbst. Doch wie kommst du deinen ganz persönlichen Fähigkeiten auf die Spur? Eigentlich ist es ganz einfach: Tue mehr von dem, was dich glücklich macht! Tue jeden Tag etwas Freudiges! Auf diese Weise weckst du deine Schöpferkraft und erkennst immer deutlicher deine Talente.
Damit kommen wir uns selbst auf die Spur und nähern uns der wichtigen Frage: Wer bin ich?
Jeder von uns ist einzigartig und bringt ganz bestimmte Fähigkeiten mit. Durch die verschiedenen Einflüsse von außen haben sich die meisten von uns allerdings Stück für Stück davon wegbewegt. Wir haben uns den Anforderungen der Leistungsgesellschaft angepasst; vielleicht „funktionieren“ wir gar nur noch. Wir haben vergessen, wozu wir fähig sind!
Als Kinder waren wir dem viel näher. Spielerisch haben wir uns ausprobiert, uns dem gewidmet, was uns Freude bereitete. Versuche einmal, dich daran zu erinnern, was dir als Kind Spaß gemacht hat! Und überlege dir, auf welche Weise du das wieder in dein Leben holen kannst. Beginne damit, jeden Tag vielleicht für eine halbe Stunde etwas zu tun, das dich mit tiefer Freude erfüllt. Du wirst sehen, wie das deine Kreativität wachkitzelt. Dir werden immer mehr Sachen einfallen, die dir Spaß machen und du fühlst dich lebendiger. Allmählich zeigen sich dir deine Fähigkeiten, die möglicherweise lange vor sich hingeschlummert haben und du erkennst, wo du sie noch überall einbringen kannst. Irgendwann beantwortest du dir die Frage, warum du etwas tust, ganz selbstverständlich so: Weil es mir Freude macht!
Lass dein Herz singen, bringe dich selbst zum Leuchten und berühre damit deine Mitmenschen!
Wie sieht es aus? Magst du dich einlassen, auf das Abenteuer: „Ich lerne mich selbst kennen und mögen“?
Astrid