Wie fühlt sich Verbundenheit an?

Wenn wir uns umschauen, können wir momentan den Eindruck gewinnen, dass es sehr viel um Trennung, um Aufspaltung geht. Vor allem, wenn wir auf die verunsichernden Informationen, wechselnden Regelungen und gegenteiligen Meinungen rund um Covid-19 blicken. Hier schwingt überall sehr stark der Drang nach „recht haben“ mit. Das tut keinem gut und bringt uns nicht weiter!

Ich finde, bei all diesen Diskussionen und den Ängsten, die da mitspielen, dürfen wir für uns selbst entscheiden, ob wir uns davon in eine negative Gedankenspirale mitreißen lassen, oder ob wir unseren Fokus bewusst auf etwas anderes richten. Etwas, das jederzeit vorhanden und erfahrbar ist: unsere Verbundenheit miteinander. Und diese Verbundenheit können wir auch über weite Entfernungen hin spüren, wenn wir uns beispielsweise nur virtuell treffen. Das habe ich selbst schon ganz intensiv erleben dürfen, als ich bei einem firmeninternen Workshop nur per WebEx dabei sein konnte. Die wunderbare Energie vor Ort übertrug sich auch über die WebCam zu mir!

Marshall Rosenberg (Begründer der GfK – Gewaltfreie Kommunikation) hat das einmal sehr schön auf den Punkt gebracht: „Willst du recht haben oder glücklich sein?“ Vielleicht will uns die aktuelle Zeit auch gerade das mitteilen: Schaut genau hin, seht euch an, worauf es im Leben wirklich ankommt!

Um all die Herausforderungen, vor denen wir stehen, meistern zu können, brauchen wir Zuversicht, Vertrauen und Kraft. Aus der Trennung heraus kann aber keine Stärke entstehen und es kann nichts wahrhaft Fruchtbares erwachsen. Wenn wir uns verbunden fühlen – mit uns selbst, mit unseren Mitmenschen, mit der Natur, mit allem, was uns umgibt – erleben wir, dass wir getragen sind, dass wir nichts allein bewältigen müssen. Wir fühlen uns gestärkt. Wir erkennen, wie wichtig all die verschiedenen Ansichten, Ideen, Facetten und Fähigkeiten jedes Einzelnen sind, um daraus etwas Vollständiges, Rundes, Neues und Schönes knüpfen zu können.

Vermutlich ist es an der Zeit, dass wir verstehen: Das, was der andere mitbringt, darf gleichwertig neben unserem eigenen Part, neben unserer eigenen Meinung stehen. Jeder kann bei sich und seinem Standpunkt bleiben und wir können dennoch miteinander gestalten. Trotz aller Verschiedenheit gibt es stets etwas, das uns verbindet. Und wenn wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten, finden wir gemeinsame Lösungen für all die Aufgaben, die im Raum stehen. Hierbei dürfen wir dann auch die spaltenden Themen in den Hintergrund schieben und wahrnehmen, wie sie mehr und mehr an Bedeutung verlieren und sich schließlich auflösen. Diese Themen haben dann keine Macht mehr über uns und können uns nicht mehr vorschreiben, mit wem wir zusammen sein dürfen, wen wir lieben dürfen, wo wir aktiv werden können. Ganz abgesehen davon vermittelt uns das Gefühl der Verbundenheit mit anderen mehr Lebensfreude, mehr Energie und es bringt unsere Kreativität zum Fließen.

Wir dürfen erkennen, dass unsere individuellen Geschichten vollkommen berechtigt nebeneinanderstehen und wir gleichzeitig alle miteinander verbunden sind und aufeinander einwirken. Sobald wir uns erlauben, für den anderen Mitgefühl zu empfinden – für seine Situation, seine Ängste und seine Entscheidungen, die er aufgrund dessen trifft – bauen wir eine Brücke zwischen uns. Gegenteilige Meinungen verlieren hier an Bedeutung und wir sehen den anderen als das, was er ist: ein freier Mensch, ein fühlendes Wesen. Und genau das sind wir selbst auch. Das sind wir alle. Jeder von uns steht auf dem genau richtigen Platz im Leben, jeder von uns nimmt genau die richtige Position ein. Jeder von uns erfüllt in unserer Gemeinschaft seine persönliche Aufgabe, die ihm niemand abnehmen kann. Diese Aufgabe ist ein wichtiges Puzzleteil und von wesentlicher Bedeutung im Gesamtgefüge der Menschen. Denn jedes Wort und jede Handlung des Einzelnen bewirkt etwas in der Entwicklung von uns allen. Sei es, dass wir damit im Außen konkret etwas verändern, sei es, dass wir „nur“ jemanden zum Nachdenken anregen oder ihn an etwas erinnern.

Mit dieser Haltung bewegen wir uns vom Gegeneinander hin zum Miteinander und damit potenzieren wir unsere Kraft und unsere Möglichkeiten, wie auch schon Aristoteles wusste: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“

Also lautet meine Einladung an dich: Fühle dich verbunden.

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